Bericht von Brenda

Ich möchte gerne auch etwas loswerden: Und zwar möchte ich mal über unser so genanntes Rechtssystem sprechen.

 

Ich habe meinen Peiniger im Sommer 2000 angezeigt. „Er“ hat sofort alles zugegeben. Dennoch dauerten die Untersuchungen zwei Jahre.  Im November dieses Jahres kam es dann endlich zum Prozess. Das Urteil lautete 6 Jahre Zuchthaus, Zahlung einer Genugtuungssumme, Bezahlung der entstandenen und noch entstehenden Therapiekosten. Ich dachte, es sei endlich vorbei. Aber da habe ich mich kräftig geirrt. Dieser Abschnitt in meinem Leben ist noch lange nicht vorbei.  Um an den Therapiekostenbetrag zu kommen, müsste ich einen Zivilprozess führen. Dabei entstehen natürlich wieder Kosten. Um den Restbetrag zu bekommen, werden Betreibungen, Pfandverwertungen,... vorgenommen, was sich über eine längere Zeit hinziehen kann. Wenn das Urteil angefochten wird, wird es an das Kantonsgericht überwiesen. Und der Prozess beginnt von vorne.

 

Ich frage mich jetzt allerdings, ob das eine gute Idee war, jemals soweit gegangen zu sein. Ich möchte niemandem den Mut zu diesem Schritt nehmen. Aber ich finde, dass sich jedes Opfer genau im Klaren sein sollte, wie viel Kraft und Durchhaltevermögen es braucht, um einen solchen Prozess und deren Folgen durchzustehen. Wichtig ist, dass man nie alleine dasteht, dass man Hilfe von der Familie bekommt. Denn von außen wird es das nicht geben. Nach dem Prozess musste ich mir Bemerkungen wie „Wie kann man das nur einem so lieben Menschen antun?“ oder „Hast du denn kein schlechtes Gewissen, weil du ihn ins Gefängnis gebracht hast?“.

 

Aber niemand hat sich gefragt, was ich durchmachen musste, dass er eine solch hohe Strafe bekommen hat. Nach solchen Bemerkungen bin ich manchmal tagelang in eine Depression gefallen. Doch jetzt weiß ich, dass das dumme Menschen waren. Es war und ist nicht meine Schuld, dass es jemals soweit gekommen ist. Jeder Täter hat das Recht auf einen fairen Prozess, und er hat einen bekommen. Ich habe nicht darüber geurteilt. Ich will mit diesem Artikel sagen, dass ein solches Urteil nur nach außen gut aussieht. Wie viel Arbeit aber noch dahinter steckt, das sieht niemand. Und unser Rechtssystem schützt die Täter weiterhin, egal, was sie verbrochen haben.                                           

 

Brenda