Bericht von Carmen

Ich bin Carmen, 27 Jahre alt und dreifache Mutter. Ich wurde als
4jähriges Mädchen von einem Nachbarn missbraucht.
Als ich 15 war, lernte ich einen 22 Jahre älteren Mann kennen. Er
isolierte mich und trieb einen Keil zwischen mich und meine Mutter, ich
wurde regelrecht psychisch von ihm abhängig. Er vergewaltigte mich. Ich
sagte ihm, er soll aufhören, es tue weh, worauf er mich fragte, ob ich
für immer Jungfrau bleiben wolle. Beim ersten Mal mache es immer weh,
das sei normal, es werde erst später schön. Also verstummte ich, liess
es stumm über mich ergehen und die Tränen rannen leise die Wange
runter.
Trotz mehreren Versuchen, ihn zu verlassen, trotz Anzeige und
Polizeiverhör, hatten wir eine 10jährige Beziehung, aus der zwei
Kinder hervor gingen. Das erste Kind wollte ich. Ich glaubte damals,
dass er so viel Macht über mich besitze, dass ich nie von ihm los
komme, bevor er oder ich sterben würde. Das zweite Kind stammte aus
einer Vergewaltigung von ihm. Im August 2007 konnte ich ihn endlich
verlassen, weil er eine immer grössere Bedrohung für die Kinder
darstellte. Ich als Carmen konnte mich nicht wehren, aber ich als Mutter
war intakt. Ich ging ins Frauenhaus und spührte den Schmerz der Leere,
sobald ein Jahrelanger Druck auf einmal weg geht. Seine Macht über mich
verlor er aber erst almählich, was noch ein Jahr brauchte. In dieser
Zeit gestand ich ihm aber ein Besuchsrecht ein. Er beleidigte und
bedrohte mich, sogar mit Mord und die Kinder mussten immer und immer
wieder zu ihm. Ich erwachte langsam und erkannte almählich die
Tragweite des Geschehenen, erinnerte mich an Fragen des Kinderarztes, ob
ich es für möglich halte, dass mein Ex mein Kind missbrauchen könnte,
ich machte Anzeige um Anzeige und jetzt läuft ein grosses
Strafverfahren, aber Schutz erfahren ich und meine Kinder keinen. Die
Kinder müssten weiterhin zu ihrem Vater, aber ich weigere mich, die
Kinder wieder raus zu geben. Meine 3jährige Tochter hatte nach dem
letzten Besuch Albträume, die für mich recht eindeutig auf Missbrauch
hindeuten, aber niemand von den Ämtern hörte mir zu. Niemand klärte
was ab und niemand schützte uns. Ich floh nach Amerika, doch dort lief
alles schief mit dem Jobangebot für meinen Mann (habe im März 09
geheiratet), weshalb wir gezwungen waren, wieder zurück zu kommen. Es
scheint mir niemand richtig zu glauben, was mir mit den Ämtern
widerfährt. Ich habe nun schon oft gehört, dass die Behörden
grundsätzlich auf der Seite der Frau sei, und da sie so negativ auf
mich reagieren, muss alles andere auch gelogen sein.

Ich brauche Hilfe, soviel ich nur bekommen kann. Jegliches Wissen,
Fachpersonen, Adressen, Gesetze die Schutz für mich und meine Kinder
bieten. Ich hatte einen 10jährigen Kampf in der Beziehung und nun habe
ich seit 2 Jahren einen Kampf mit Behörden und Justiz, da eine riesige
Anzeige gegen meinen Ex am laufen ist, was seine Wut gegen mich immer
wieder schürrt.

Ich habe nun eine Homepage gestaltet, die in den nächsten Tagen online
gehen wird. Da ich nun seit Jahren am kämpfen bin, habe ich bereits
einiges Wissen und Erfahrungen gesammelt, die anderen Opfern vielleicht
helfen könnten. Ich möchte möglichst viele Adressen, Hilfestellen,
Fachleute und Organisationen bekannt machen, damit jede(r) findet, was
er/sie gerade braucht. Ich will hin stehen und mein Unrecht laut hinaus
schreien. Ich will in die Medien kommen und meine Homepage allen bekannt
machen. Es darf nicht länger unter den Teppich gekehrt werden, was mir
und vielen anderen geschehen ist. Als ich das erste mal auf der Polizei
war um Anzeige zu erstatten, sagte der Polizist nach VIER STUNDEN,
"Gehen sie nach Hause, wir nehmen jetzt keine Anzeige entgegen. Wir
wollen ja nich unnötig Öl ins Feuer giessen und ihren Ex
provozieren."
Ich möchte die Öffentlichkeit sensibilisieren. Ich möchte laut
werden und ich möchte gehört werden! Und ich möchte anderen Opfern
den langen Weg des suchens ersparen, indem sie bei mir finden, wohin sie
sich wenden können. Meine Homepage www.nichtmitmir.ch.