Weisst du wie man Baby's macht?

Nöö, antwortete ich. Es interessierte mich auch nicht. Ich „las“ Grimm’s Märchenbücher und wollte sowieso bald schlafen, denn es war schon spät abends. Unsere „Eltern“ waren, wie öfters, nicht zu Hause. Doch mein 5 Jahre älterer Stiefbruder liess nicht locker. Er war schon 15 oder 16 und wollte mir unbedingt diese Baby Fotos zeigen. Na, gut, dann halt, wenn’s unbedingt sein muss. Wir hatten sowieso nie viel miteinander geredet, geschweige denn zusammen gespielt.

Er bastelte Flugzeuge und zeichnete so komisches Zeug, ich spielte mit Barbiepuppen und schaute Pippi Langstrumpf im Fernsehen. Du musst aber zu mir hochkommen, meinte er. Wir hatten ein Kajütenbett. Nein, komm doch du zu mir, sagte ich müde. Bei mir ist’s heller und mehr Platz. Oke, dann komm ich halt.

Er zeigte mir zuerst ein Bild von einer nackten Frau, die ein Baby im Bauch hatte. Uups, ich wurde verlegen und unwohl, denn ich hatte noch nie einen nackten Erwachsenen gesehen. Das war’s, ich wollte wieder runter. Nein, schau wie das Baby im Bauch wächst und dann kommt es da unten raus. Tatsächlich, das war doch noch interessant, und wie süss das neugeborene Baby war! Danke, gute Nacht.

Warte, weißt du wie das Baby in den Bauch der Frau kommt? Ich überlegte kurz, wusste aber keine Antwort. Komm, ich zeig’s dir. Er nahm ein anderes Buch hervor in dem ein nackter Mann und eine nackte Frau abgebildet waren, die sich umarmten. Bäääääääähhhhhhhhh, dachte ich, die grossen Brüste und Haare da unten, die Frau gefiel mir nicht. Und der Mann, noch grusiger, hatte noch mehr Haare überall und so ein komisches Ding zwischen den Beinen.

Schau, sagte er, der Mann steckt dieses lange Ding da unten in die Frau und dann wächst das Baby im Bauch der Frau. Es war mir zwar noch nicht ganz klar woher dieses Baby wirklich kam und ob das überhaupt stimmt, was mein Stiefbruder mir da erzählte, aber ich hatte definitiv genug gesehen und wollte runtersteigen.

Da packte er mich am Handgelenk und meinte, wir sollen das doch mal ausprobieren. Nur so. Zum spielen. Er spielte den Mann und ich die Frau.

 

Ich spürte instinktiv, dass dies kein tolles Spiel wurde und sagte Nein.

Er nahm meine Hand, fester Klammergriff, und streichelte mit ihr seinen Penis. Siehst Du, es ist ganz leicht! Und so fing es an.

Nun hatten wir ein Geheimnis und etwas Gemeinsames.

Er hat die nächsten drei Jahre alles mit mir gemacht, was ansonsten Erwachsene miteinander tun und/oder auch nicht tun.

Zusätzlich hat er mich geschlagen, bedroht, gewürgt, benutzt und weggeschmissen bis ich mich in ein Nichts verwandelt habe und unsichtbar geworden bin.

 

Bis heute versuche ich mich wieder sichtbar zu machen auf dieser Erde und ein Leben zu leben. Aber es gelingt mir nur dann und wann. Und immer mehr.

 

                                                                                              Janel, 42