Was ist sexuelle Ausbeutung?

Jede sexuelle Handlung eines Erwachsenen (oder Jugendlichen) mit oder an einem Kind ist sexuelle Ausbeutung. Der Erwachsene nutzt dabei die Abhängigkeit des Kindes aus, um es zur Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse zu missbrauchen. Häufig sind dies Bedürfnisse nach Macht und Überlegenheit, die mit dem Mittel der Sexualität befriedigt werden. Ein Kind kann die Tragweite und die Folgen einer sexuellen Handlung nicht abschätzen und ist nicht in der Lage, dieser Handlung informiert und frei zuzustimmen. Aufgrund seiner Machtposition ist es für den Täter einfach, das Kind zum Mitmachen zu überreden oder zu zwingen. Zentral ist dabei die Verpflichtung zur Geheimhaltung, die das Kind zur Sprachlosigkeit, Wehrlosigkeit und Hilflosigkeit verurteilt. (nach Sgroi 1986 in: Kazis 1994/2, S. 16).

 

Sexuelle Ausbeutung bedeutet für ein Kind eine massive Verletzung seiner körperlichen und seelischen Integrität und einen tiefen Vertrauensbruch. Es erlebt von einer Person, der es vertraut und die ihm lieb ist, eine Handlung, die es nicht einordnen kann, die es verwirrt und die in ihm die widersprüchlichsten Gefühle auslöst.

 

Sexuell ausgebeutete Kinder leiden unter vielfachen Ängsten, denn sie fürchten sich davor, dass sich der Missbrauch wiederholt oder dass beispielsweise die Familie auseinanderbricht, wenn sie darüber reden. Diese Angst geht einher mit Gefühlen der Isolation und Ohnmacht, denn das Kind steht unter einem Geheimhaltungsdruck, es darf und kann nicht über den Missbrauch sprechen. Es glaubt, sich nicht genügend gewehrt zu haben und fühlt sich schuldig.